Vorbemerkung - Kalmenhof

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Die Opfer



Vorbemerkung

Unbekannter Junge auf dem Kalmenhof-Gelände (Herbst 1940)
Quelle: Sammlung C. Frohn

 

In der Liste der in Idstein ermordeten Menschen werden alle Personen aufgeführt, die ab dem Zeitpunkt der Machtübertragung 1933 in Idstein ums Lebens kommen. Quelle für die Erstellung der Opferlisten sind die öffentlich zugänglichen Unterlagen aus unterschiedlichen Archiven (u. a. Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Staatsarchiv Marburg, Bundesarchiv Berlin).

Anhand der vorliegenden Quellen können die tatsächlichen Todesursachen nicht immer zweifelsfrei benannnt werden.

Bereits ab 1935 werden Heimbewohnerinnen und Heimbewohner auf Grundlage des rassenhygienisch begründeten "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" zwangssterilisiert.
Von Todesfällen infolge von Komplikationen während der nachlässig durchgeführten Eingriffe ist auszugehen.

Nachdem Fritz Bernotat, Dezernent für das Anstaltswesen im Bezirksverband Nassau, 1937 den Vorsitz des mittlerweile nationalsozialistisch geprägten Trägervereins des Kalmenhofes übernommen hatte, werden die Lebensbedingungen der Heimbewohner drastisch verschlechtert. Ab diesem Zeitpunkt sterben Menschen auf dem Kalmenhof infolge von Unterversorgung ("Hungersterben") oder aufgrund massiver Gewalteinwirkung.

Ab 1939 ist ein signifikanter Anstieg der Todesfälle nachweisbar.


Nach bisherigem Kenntnisstand kommen während der NS-Zeit in Idstein rund 800 Menschen zu Tode. Darüber hinaus sind bislang 470 Menschen namentlich bekannt, die vom Kalmenhof in andere Tötungseinrichtungen deportiert werden.

Aufgrund der oft vorsätzlich falschen Angaben seitens der Mörder können in der Darstellung Ungenauigkeiten nicht ausgeschlossen werden. Auch fehlen bei vielen Opfern biographische Angaben.

Das Schicksal der jüdischen Heimbewohner des Kalmenhofes ist noch nicht hinreichend erforscht. Jüdische Bewohner wurden spätestens ab 1938 zunächst in der ehemaligen Landesheilanstalt Weilmünster ghettoisiert und von dort aus in Tötungsanstalten verbracht und ermordet. Weitere Menschen wurden im September 1940 über Gießen in die Tötungsanstalt Brandenburg deportiert und dort umgebracht. Sie gelten somit als frühe Opfer des Holocaust.
In der Forschungsliteratur noch nicht berücksichtigt ist die Deportation der letzten im Kalmenhof verbliebenen jüdischen Heimbewohner am 7. Februar 1941 in die Tötungsanstalt Hadamar.

Bis Januar 1942 werden die Toten auf dem Städtischen Friedhof begraben. Nach der Enteignung der Idsteiner jüdischen Gemeinde kauft der Kalmenhof-Trägerverein den jüdischen Friedhof an der Escher Straße. Zwischen Januar und Oktober 1942 werden hier die Opfer verscharrt.
Auch um die Massentötungen auf dem Kalmenhof vor der Öffentlichkeit möglichst zu verbergen, wird auf dem anstaltseigenen Gelände hinter dem Krankenhaus ein Friedhof eingerichtet. Auf diesem werden ab Oktober 1942 die Mordopfer verscharrt.

Etwa 300 Opfer sind demzufolge auf dem Städtischen Friedhof begraben. Auf dem jüdischen Friedhof liegen rund 40 und auf dem Anstaltsgelände rund 360 Opfer. Hier wurden nach Kriegsende 1948 weitere fünfzehn Menschen bestattet.

Die Seite
kalmenhof-gedenken möchte dazu beitragen, die Würde der Ermordeten wieder herzustellen.
Nach über siebzig Jahren werden die vollständigen Namen der Opfer erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Namen von ermordeten Menschen, für die bereits ein Stolperstein verlegt wurde, oder denen in einer anderen Form gedacht wird, sind farblich abgesetzt und mit der entsprechenden Seite verlinkt.

 
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